Digitales Gedächtnis – re:publica Tag 1

In Berlin hat die re:publica begonnen. Und natürlich gibt es kurze Berichte dazu.

Nach der Eröffnung durch die Veranstalter war das Thema der ersten Keynote „Nützliches Vergessen – Informationsökologie im digitalen Zeitalter“. Hinter dem doch etwas sperrigen Titel verbarg sich der Vortrag eines Wissenschaftlers aus Harvard zum Thema digitales Gedächtnis und dessen Folgen.

Wie schon mal kurz angerissen, ist das derzeit eines der spannendsten Themen im Web. Es geht darum, dass die Informationen die im Netz veröffentlicht werden weltweit und auf unbestimmte Dauer zugänglich sind. Das eigentliche Problem daran ist aber, dass dieses vielen Menschen nicht unbedingt bewusst ist und so nicht darauf geachtet wird, was da veröffentlicht wird. So kommt es dann dazu, dass potentielle Arbeitgeber mittels Google Dinge aus der Vergangenheit von Bewerbern erfahren, die diese vielleicht lieber für sich behalten hätten.

Die ersten Fälle, wo dieses ernsthafte Konsequenzen hatte, gab es bereits. Allerdings wird die Brisanz des Themas vermutlich erst in einigen Jahren wirklich klar, wenn die Generation der heute 16-22jährigen mit ihrer digitalen Vergangenheit konfrontiert wird.

Die von Viktor Mayer-Schönberger skizzierten Lösungsansätze erstrecken sich über viele Bereiche. Von juristischen Maßnahmen, über normative Ansätze bis zu technischen Gegenmaßnahmen. Die populärste Variante stellt derzeit sicherlich eine technische Lösung dar. Inhalte sollen mit einem Haltbarkeitsdatum versehen werden. Sobald dieses abläuft sollen sie aus dem digitalen Gedächtnis verschwinden.

Ein sicherlich interessanter Ansatz, allerdings müsste dafür der Druck auf die Anbieter von Plattformen noch deutlich steigen. Diese haben schließlich ein Interesse daran, Inhalte bereitzuhalten und diese auch vorzuhalten.

Ebenfalls nicht ganz uninteressant wird die Politik von Suchmaschinen, allen voran Google in dieser Sache. Die Popularität und damit der wirtschaftliche Erfolg von Google hängt an ihrem digitalen Gedächtnis. Sei es die Vielfalt der gefundenen Informationen oder die Relevanz der Ergebnisse, die auf vorherigen Suchanfragen und deren Ergebnissen und deren Verwendung basiert. An der Konstruktion des vorigen Satzes sieht man schon, dass es ein etwas komplizierteres Thema ist.

Sowohl die Anbieter von Plattformen, als auch Suchmaschinen werden einer Kontrolle der Inhalte durch die eigentlichen Besitzer erst durch erhöhten Druck zustimmen. Vermutlich kann man von einer Art Wellenbewegung ausgehen. Zunächst steigt die Zahl der veröffentlichten Inhalte immer stärker an. Dabei wächst langsam das Bewusstsein für die damit verbundenen Probleme. Ab einem gewissen Punkt wird die Veröffentlichung von Inhalten stagnieren bzw. in bestimmten Teilen der Benutzerschaft wieder zurückgehen. Dadurch wird der Druck auf die Anbieter höher und es kommt zu einer Kontrolle der Inhalte durch die Besitzer.

Interessant wäre auch ob die Kontrolle von Inhalten durch externe Dienstleister via API möglich ist. Dazu müssten natürlich die Anbieter diesen Zugriffen zustimmen. Dieses Thema wird auf jeden Fall noch spannend.

weitere interessante Einträge

  1. Web 2.0 im Unternehmen – re:publica Tag 1 Ein Vortrag von IBM (einer der Sponsoren der re:publica) beschäftigte sich mit Web 2.0...
  2. Inhalte mit Selbstzerstörung In der letzten Zeit kommt in der Blogosphäre (tolles Wort) immer mal wieder die Idee...
  3. Google hostet AJAX Libraries Google hat angekündigt, dass weit verbreitete AJAX bzw. Javascript Libraries ab sofort von den Google...

Related posts brought to you by Yet Another Related Posts Plugin.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *