Marketing vs. Social Media

Auf dem Barcamp Berlin 3 gab es am Sonntag eine Session zum Thema “Marketing vs. Social Media” von Johannes Kleske und Gerald Hensel (beide von Neue Digitale).

Neben der Tatsache, dass die Session zu den besten und kurzweiligsten gehörte, die ich am Wochenende gesehen habe, wurde hier ein Thema zur Sprache gebracht, welches wirklich spannend ist.

Wie verhalten sich große Konzerne/Marken im Web 2.0? Wie geht man als Firma mit plötzlich entstehender Konversation und evt. Reaktionen zwischen Kunde und Firma und Kunden untereinander um?

Diese Fragen wurden nicht beantwortet, aber es gab doch einige interessante Gedanken dazu.

Die große Frage vor der viele Unternehmen stehen ist: Wie führe ich eine Kommunikation mit meinen Kunden auf Augenhöhe? Die bisherige Kommunikation war ein reines Top-Down Prinzip. Unternehmen beschallen ihre Zielgruppen mit Werbung. Etwas verschärft formuliert: “Wir sprechen, ihr hört zu.”

Dieses ändert sich. Entweder hören die Zielgruppen einfach nicht mehr zu, weil sie nicht anwesend (also im falschen Medienkanal) sind, oder sie antworten und widersprechen (Blogs, Produktbewertungen, User Generated Content etc.) teilweise.

In der entstehenden Diskussion kamen so widersprüchliche Standpunkte wie “Marken sind tot, Unternehmen sollten sich auf Produkte konzentrieren” oder “Es ist eigentlich alles so wie früher, nur dass es zusätzliche Medienkanäle gibt” auf.

Die bisherigen Versuche der Unternehmen den Usern dahin zu folgen, wo sie sich jetzt aufhalten (Flickr, Youtube etc.) sind nicht immer von Erfolg gekrönt. So wurde bspw. bei einer Kampagne von Chevrolet durch User mit offiziellem Material dieses Video erstellt und bei Youtube veröffentlicht.

Außerdem lassen sich Social Media Plattformen nicht einfach als ein neuer Medienkanal begreifen. Die klassische “Beschallung” funktioniert hier nicht. Firmen werden in Zukunft kommunizieren müssen, und dieses auch im eigentlichen Sinn des Wortes. Es wird ein Dialog entstehen und in diesem müssen Firmen bestehen.

Hierfür ist es wichtig, das Produkte auch den Werbeversprechungen standhalten. Sobald ein Bruch zwischen Werbung und Realität entsteht, werden Firmen und Produkte angreifbar. Dies lässt sich nicht immer vermeiden. Bestimmte Produkte sind aufgrund ihrer Eigenschaften angreifbar (bspw. der Chevy Tahoe). Allerdings müssen Firmen in Zukunft dazu stehen und dieses vertreten. Die Zeiten wo man sich als Umweltkonzern darstellen konnte, gleichzeitig spritschluckende Autos produzieren konnte und niemand widersprach, sind vorbei.

Unternehmen müssen ehrlich und geradlinig werden. Es ist ok, wenn man spritschluckende Autos baut. Solange man dies auch vertritt.

Zusätzlich müssen Unternehmen damit rechnen, das kritische Stimmen aufgrund der neuen verfügbaren Medien ganz neue Reichweiten erlangen.

Eine Schlussfolgerung könnte darin bestehen, sich aus den neu entstehenden Medienkanälen herauszuhalten. Dies ist allerdings keine Lösung. Es wird vielmehr dazu kommen, das Unternehmen freiwillig oder unfreiweillig lernen werden, wie man mit den eigenen Kunden jenseits des Kundensupports kommuniziert.

Dies wird Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, interne Strukturen und auch auf die hergestellten Produkte haben.

Was wäre, wenn die Deutsche Bahn offensiv kommunizieren würde, dass es zu Verspätungen kommen kann. Vermutlich hätte jeder Verständnis, das es in einem so komplexen Gefüge zu Verzögerungen kommt. Natürlich müsste sich der Konzern dann damit befassen, wie man die Nachteile des Kunden auffängt und wie man das eigene Produkt bewirbt. Sind pünktliche Verbindungen in dieser Größenordnung machbar, oder ist es von vornherein klar, das das Versprechen nicht gehalten werden kann?

Es sollte sich niemand ausruhen und die eigenen Fehler nur kommunizieren, aber Probleme zu verschweigen und nicht darüber zu kommunizieren, wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.

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Comments 2

  1. Gerald Hensel wrote:

    Danke für die Blumen. Johannes und mir hats auch viel Spaß gemacht. Supercoole Diskussion, die uns auch einmal mehr von unserer Marketingbrille befreit hat. ;-)

    Posted 28 Oct 2008 at 13:17
  2. Malte wrote:

    Gern geschehen. War definitiv die gehaltvollste Session für mich. Und die unterhaltsamste.
    Ist ein spannendes Thema und so wirklich ist auch noch keiner auf eine Lösung gekommen.

    Posted 29 Oct 2008 at 09:27

Trackbacks & Pingbacks 2

  1. From Marketing vs. Social Media Teil 2 | heroicapproach on 17 Nov 2008 at 22:21

    [...] kleiner Nachtrag zu meinem letzten Artikel über Marketing vs. Social Media hier noch ein paar Fakten die mir in der letzten Zeit begegnet [...]

  2. From Barcamp Hamburg - find ich gut | heroicapproach on 24 Nov 2008 at 23:43

    [...] ein Produkt muss “der Rede wert sein” um virales Potential zu haben (ähnelt doch sehr meiner Schlußfolgerung hier) [...]

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